Qualitätsvolle Architektenausbildung

Stellungnahme des Bundes Deutscher Architekten BDA zur Neuordnung des Architekturstudiums

Architektinnen und Architekten sind in ihrem Tun verantwortlich gegenüber der Gesellschaft, gegenüber dem einzelnen Menschen und gegenüber der Umwelt. Die Problematik des Bauens innerhalb der immer komplexer werdenden gesellschaftlichen Verhältnisse erfordert hohes Engagement. Dies gilt insbesondere für die Ausbildung: Architekten müssen mehr denn je durch Lehre und Studium befähigt werden, ihren Beruf auf hohem Niveau auszuüben. Auch bei der Schaffung eines „europäischen Hochschulraums“ muss es deshalb im Fachbereich Architektur weiterhin zuallererst darum gehen, die hohe Qualität der Ausbildung zum Architekten zu gewährleisten. Zugleich sollte indes die Neuordnung des Architekturstudiums genutzt werden, um Studieninhalte und -ziele den veränderten Anforderungen des Berufsbildes anzupassen.

Ausbildungskapazitäten und Studienaufnahmeprüfung

Angesichts der schwachen Auftragslage für Architekten, die einerseits eng mit der Krise der Baubranche, andererseits aber auf einer dauerhaft rückläufigen Anzahl öffentlicher und privater Bauvorhaben beruht, muss die Frage nach einer Berechtigung weiterhin hoher Studierendenzahlen im Fachbereich Architektur gestellt werden. Die Diskrepanz zwischen jährlich rund 6.500 Absolventen der Architekturfakultäten und einem altersbedingten Ausscheiden von jährlich 2.500 bis 3.000 Architekten und Stadtplanern, zeigt die Gründe für die strukturelle Bedingtheit der derzeit hohen Arbeitslosenquote angestellter Architekten an. Der Ausweg, als freischaffender Architekt oder in branchenähnlichen Arbeitsfeldern tätig zu werden, bietet für die Absolventinnen und Absolventen vor diesem Hintergrund nur für eine relativ geringe Anzahl von Betroffenen hinreichende Erfolgschancen.

Eine Reduzierung der Ausbildungskapazität und eine dem Studienbeginn vorausgehende Aufnahmeprüfung sind daher auch in Verantwortung gegenüber dem einzelnen Abiturienten und seinem zukünftigen Werdegang unabdingbar. Das Abitur wird in dieser Sicht als Voraussetzung für das Studium gewertet; für einen Hochschulzugang ist dieser Abschluss durch ein Auswahlverfahren seitens der Hochschule zu ergänzen.

Die Anzahl der Studienanfänger ist dabei unter der Steuerung durch die Landeswissenschaftsminister in Abstimmung mit ihren Hochschulen einvernehmlich festzulegen. Ziel ist die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Lehre und eine bessere Abwägung zwischen der Freiheit der Studienwahl und den mit dem Studium verbundenen Berufsaussichten.

Anforderungen des Bologna-Modells


Die mit dem Bologna-Modell verbundene Neustrukturierung des Studiums – Modularisierung, Leistungspunktsystem, zweistufige Studiengänge – sind unterschiedlich zu bewerten. Modularisierung und Leistungspunktsystem ermöglichen die internationale Anerkennung und können zu einer begrüßenswerten Flexibilisierung und Öffnung des Ausbildungssystems beitragen.

Das System zweistufiger Studiengänge birgt allerdings die Gefahr der Regelstudienzeitverkürzung. Der BDA lehnt grundsätzlich eine Verkürzung der Regelstudienzeit ab, da sie das notwendige und bisher anerkannt hohe Niveau der Architektenausbildung gefährdet.

Angesichts der breiter und komplexer gewordenen beruflichen Aufgaben sieht der BDA zur Gewährleistung der Ausbildungsqualität ein zehnsemestriges Studium der Architektur als unerlässlich an.

Die bewährte Arbeitsteilung zwischen Fachhochschulen und Universitäten in anwendungs- und forschungsorientierte Ausbildungsprofile wird auch für die Neuordnung des Studiums als sinnvoll erachtet. Zugleich bietet die Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse für die Fachhochschulen die Chance, die Qualität der Lehre durch eine Anpassung der Studiendauer an die international geltenden Standards (zehnsemestriges Studium) weiter zu verbessern.

Bachelor – internes Zertifikat der Hochschule

Der mit dem Bachelor abschließende erste Studienzyklus, mit dem Undergraduate-Zyklus des amerikanischen Bildungssystems vergleichbar, stellt die Kernqualifikationen für den Beruf des Architekten sicher. Der Bachelor kann nur als ein internes Zertifikat der Hochschule gewertet werden, das einen Fachwechsel oder einen Auslandsaufenthalt ermöglicht. Eine Berufsbefähigung zum Architekten wird durch diesen Abschluss nicht erreicht; er berechtigt nicht zur Eintragung in die Kammerliste.

Aus Gründen der Studienorganisation, der Studieninhalte, der internationalen Vergleichbarkeit der Studienmodule und der ECTS-Punkte-Berechnung, wird ein sechssemestriges Grundstudium empfohlen.

Vor dem Hintergrund, dass auch künftig kein spezifisches Berufsbild für Bachelor-Absolventen existiert, garantiert die Aufnahmeprüfung eine geringe Abbruchquote nach dem ersten Studienzyklus.

Berufsbefähigung durch den Master


Nach dem sechssemestrigen Grundstudium schließt sich ein viersemestriger Studienzyklus an, der zum „Master“ führt. Entsprechend der konsekutiven Studienstruktur, die den MasterGrad als Regelabschluss ansieht, ist ein abgestimmtes Curriculum über die gesamte Studienzeit von fünf Jahren anzubieten. Das Masterstudium kann nicht eine Studienvertiefung intendieren, sondern muss zu generalistisch ausgebildeten Architektinnen und Architekten führen. Eine Spezialisierung, die über die Vollausbildung zum Architekten hinausgeht und der Qualifizierung in besonderen Berufsfeldern dient, sollte erst nach dem Erwerb des Masters erfolgen.

Nur die mit dem Master-Studiengang erbrachte akademische Vollausbildung ermöglicht die Kammerfähigkeit und damit die spätere Führung der Berufsbezeichnung „Architekt“.

Eine Zugangsbeschränkung zum Masterstudiengang darf nur über qualitative, nicht über quantitative Regelungen erfolgen.

Neuordnung des Studiums erfordert umfassende Strukturdebatte


Um den Ansprüchen der gewandelten Berufsanforderungen zu genügen, reicht eine Änderung der Studienstruktur allein nicht aus. Bachelor- und Master-Studiengänge müssen auch in den Studieninhalten neu konzipiert werden. Neben den notwendigen Praktika sind verstärkt auch Projektstudien in die Master-Studienpläne einzubeziehen. Eine verstärkte Profilbildung in der Ausbildung lässt auch die Leistungen der Hochschulen im nationalen und internationalen Kontext besser erkennen.

Zusammenfassend gelten folgende Grundsätze zur Ausbildung:

Ein mindestens 5-jähriges grundständiges Studium ist Voraussetzung für den berufsbefähigenden Abschluss „Architekt“.

Die Zukunftsfähigkeit des Berufes „Architekt“ wird nach wie vor durch die Kernkompetenz als bauender Architekt und ein erweitertes Berufsbild bestimmt. Grundlage dafür sind breit angelegte Bildung und hochqualifizierte Fachausbildung.

Die Hochschulen werden aufgefordert, durch Profilierung statt Austauschbarkeit und Nivellierung der Inhalte die Voraussetzung für eine qualitätsvolle Architektenausbildung zu schaffen.

Köln, 12. März 2005

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