Position des BDA Bayern zur Architektenausbildung

Es ist unverzichtbar, dass sich ein Berufsverband – wenn auch spät – mit Veränderungen in der Ausbildung seines Nachwuchses auseinandersetzt, vor allem wenn diese so gravierend sind wie sie sich derzeit in der Folge der Schaffung eines „europäischen Hochschulraumes“ nach dem Bologna-Modell zeigen.

Die dort erhobenen drei Forderungen – zweistufige Studiengänge, Modularisierung, Leistungspunktsystem – sind aus Sicht des Berufes unterschiedlich zu bewerten.

Während Leistungspunktsystem und Modularisierung durch die internationale Anerkennung zu einer begrüßenswerten Flexibilisierung und Öffnung des Ausbildungssystems beitragen können, birgt das zweistufige System vor allem durch den Bachelor-Abschluss nach nur 6 Semestern erhebliche Probleme und Fallen für die Studierenden.

Es ist allgemein bekannt, dass der mit dem Studium einhergehende persönliche Reifeprozess nicht mit Semesterzahlen zu bemessen ist: Regelstudienzeiten und tatsächliche Studienzeiten werden selten kongruent sein und dies um so weniger, je kürzer die Regelstudienzeiten sind. Die Erfahrung zeigt, dass die von der UIA und der Unesco geforderten 10 Semester oder 5 Jahre ein vernünftiges Mindestmaß sind, in dem die zunehmend komplexen Ansprüche an Wissen und Fertigkeiten mit der Persönlichkeitsbildung wie auch mit den unvermeidlichen Zeitverlusten eines beruflich wichtigen Auslandsstudiums zur Deckung gebracht werden können. Die 10 Semester müssen daher ebenfalls deutscher Standard werden. Sie entsprechen der Architektenrichtlinie der EU von 1985, drohen jedoch derzeit allerdings durch die Berufsanerkennungsrichtlinie auf 8 Semester reduziert zu werden.

Daher sollte sich der BDA deutlich für eine Mindest-Studiendauer von 10 Semestern aussprechen. Darunter angesiedelte Abschlüsse wie etwa der „bachelor“ sind vielleicht noch “employable“ (was nicht berufsqualifizierend heißt), entsprechen jedoch in keiner Weise den gestiegenen Anforderungen, die heute von der Allgemeinheit und den Bauordnungen an den Berufsstand der Architekten und seine Verantwortung der Gesellschaft und Umwelt gegenüber gestellt werden.

Die Einführung des zweistufigen Systems sollte zwei Konsequenzen haben:

1. die Ausbildungsstätten müssen dafür Sorge tragen, dass Studenten mit einem erfolgreichen Bachelor-Abschluss die Möglichkeit haben, konsekutiv den Master mit 10 Semestern abzulegen. Die Kontingentierung muss Sache der Hochschulen, ihrer Ausrichtung und Ihrer Kapazität sein. Quotierungen für den Zugang zum Master-Studium, wie sie in der KMK diskutiert werden, sind abzulehnen; sie würden für das Arbeitsfeld unzureichend ausgebildete junge Menschen auf einen bereits übersättigten Arbeitsmarkt treiben, dessen Konkurrenzkampf sie i. d. R. nicht gewachsen sind.

2. die Architektenkammern sollten für „Sonderfälle“ eine Lösung eröffnen, die die Studienzeit in die 10-jährige Praxis („unter Anleitung eines Architekten“) einrechnet und nach einer bestandenen Prüfung die Eintragung ermöglich. Der Vorschlag der ByAK mit 6 Semester Fachstudium und 5 Jahren Berufspraxis („unter Anleitung eines Architekten“) und einer Prüfung auf Diplom-Niveau unter Heranziehung der Hochschulen als Prüfer, wurde in den Gremien der ByAK diskutiert und liegt nach deren Zustimmung dem Ministerium vor. Die bereits bestehenden Prüfungen müssen dann nach Inhalten und Verfahren überprüft und angepasst werden.

In den „10 Thesen zur Bachelor- und Masterstruktur in Deutschland“ vom 12.06.2003 räumt der KMK ein, dass „wichtige Gründe für eine Beibehaltung der bewährten Diplomabschlüsse auch über das Jahr 2010 hinaus“ sprechen könnten. Es kann also sein, dass nicht alle Hochschulen das zweistufige System einführen werden.

Fazit: Der BDA sollte sich nicht in die Diskussion der einzelnen B+ M-Studiengänge einschalten. Das ist Sache der Akkreditierungseinrichtungen, in denen wie etwa im ASAP der BDA äußerst wirkungsvoll vertreten ist. Der BDA muss jedoch aus Sicht des Berufes und der Berufswirklichkeit darauf beharren, dass ein ausreichend langes und von seiner Struktur und seinen Inhalten auf die aktuellen und, wo möglich, auch auf zukünftige Probleme ausgerichtetes Studium angeboten wird und zu einem qualifizierten Abschluss führt, der keine berufliche Sackgasse ist. Dazu sollten die Studieninhalte mit den Berufsverbänden und Kammern, die die Fort- und Weiterbildung tragen, diskutiert und fortgeschrieben werden.

Verfasser:

Prof. Dr. Theodor Hugues 

Prof. Michael Stösslein

Juli 2004

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