Wolfgang Hänsch
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Wolfgang Hänsch ist heute der wohl erfolgreichste und verdienstvollste Architekt  unserer Stadt Dresden.

Über Wolfgang Hänsch ist schon viel geschrieben und vorgetragen worden. Anlässlich seines 80. Geburtstages ehrte ihn die Technische Universität Dresden im Juni 2009 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde.

Ein Buch von Wolfgang Kil über seine Lebensleistung ist  beim Verlag Form + Zweck aus gleichem Anlass erschienen. Er selbst hat ein hervorragendes Buch über die Semperoper verfasst, was große, auch internationale Beachtung erfahren hat.

Neben seinen vielen stadtprägenden Bauten übernahm Wolfgang Hänsch in den siebziger, achtziger Jahren bis 1989 noch das Ehrenamt des BdA Vorsitzenden der Bezirksgruppe Dresden. Damals aus den Händen von Prof. Rettig und noch mit dem kleinen „d“. Mit Sitz, viele lange Jahre im  rohbaugesicherten Grünen Gewölbe des Dresdner Schloßes, später in der Neustadt, immer unterstützt durch die Dresdner Architekten und vor allen durch Frau Ullrich, der vitalen Sekretärin, welche die Geschäfte führte.

Die Versammlungen und Veranstaltungen waren oft Orientierung und Halt in der nicht ganz einfachen Zeit. Und Wolfgang Hänsch mit Ruhe, Klugheit und auch Heiterkeit viele Jahre der Mann, der mit der Laterne vorne weg ging. Mit der natürlichen Autorität eines Architekten, der gut zu Fuß ist und nicht in der Partei. Ich möchte den Schnelldurchlauf seiner wichtigsten Bauaufgaben mit einer konkreten Begebenheit verbinden.

Eine Regisseurin wollte anläßlich seines 80. Geburtstages einen Film über Wolfgang Hänsch drehen. Die Idee war, in einer Fahrt, im offenen Auto durch die Stadt, alle Gebäude, die er mal gebaut hat, aufzusuchen und sich dazu zu äußern. Die Wahl des Gesprächspartners und Chauffeurs fiel auf mich. Von 1976 bis 1985 war Wolfgang Hänsch mein Chef im VEB Gesellschaftsbau. Wiederaufbau Semperoper war die Aufgabe. Mir wurden, ein Teilobjekt, die Theaterwerkstätten übertragen. Seit dem kennen wir uns dienstlich. Zudem gab es in unserer Einrichtung, dem Projektierungsbüro eine Kultur des ideologiearmen Handelns und vor allem auch des Feierns.

Da kannte er mich als guten Initiator. Ich war also dran. In einem Wartburg Cabriolet zu seinen wichtigsten Bauten, die Kamera auf dem Rücksitz. Früh ging es los.  Vor Ort erwartete uns dann nur ein ziemlich kleiner Trabant Cabriolet. Wolfgang Hänsch auf dem Beifahrersitz. Der Kameramann hinter uns, die Gespräche während der Fahrt aufnehmend. Lenkradschaltung und ein Sitzkomfort, dass man sich die Ohren mit den Knien  zuhalten konnte. Auf diese Weise sind wir ca. 6 Stunden durch unsere schöne Stadt gefahren.

Zuerst zu seinem Erstlingswerk. Ein Belegschaftsgebäude für die Fa. Bramsch, Getränke.

Da war er 23 Jahre alt. Er war ganz heiter, dass dieses sein Erstlingswerk nicht mehr existierte.

Die noch tradiert wirkende Wohnbebauung in der Blochmannstraße wurde kurzerhand ausgelassen. Dafür ging es zu den Wohn- und Geschäftsbauten, an der Borsbergstraße, fünf Jahre später 1957 / 58 erbaut. Frische Farben, moderne Wohnungen und Geschäfte. Heute noch gut. Damit war der Anschluss an die Nachkriegsmoderne und das industrielle Bauen geschafft. Überzeugend.

Die Webergasse eine Einkaufsmall am Altmarkt 1960, die kleine Dresdner Lijbaan, zeugte von Hänsch`s internationalem Horizont und Übersicht . Heute ist die Altmarktgallerie an dieser Stelle.

1958-60 die Großanlage das Haus der Presse, ein vorbildliches Ensemble aus Bürohochhaus und flachem Druckereigebäude für die Sächsische Zeitung mit schönem Betonrelief im langschmalen Innenhof. Die Sanierung der Fassade, vor geraumer Zeit, ohne Wolfgang Hänsch, fand dessen Zuspruch ausdrücklich nicht.

Vor dem Haus der Presse sind wir beide aus dem tollen Cabriolet ausgestiegen, kamen an den Theaterwerkstätten vorbei, von Wolfgang Hänsch durchaus gelobt und standen in der folgenden Stunde auf den drei großen Bühnen der Stadt: der Bühne des Kulturpalastes (1969), dann auf der Bühne der Semperoper (1985) und anschließend auf der Bühne des Schauspielhauses (1995).

Die drei Bühnen, die er samt Häuser in 25 Jahren , einem viertel Jahrhundert, gestaltet hatte, die drei großen Kulturhäuser seiner Stadt. Sein Werk. Eine einmalige Leistung.

Bei allen Anstrengungen, die ihm diese Aufgaben offensichtlich auch abverlangt haben, wirkte Wolfgang Hänsch immer gelassen, kommunikativ. Lediglich beim jetzigen Totalumbau des unter Denkmalschutz gestellten Kulturpalastes, verzichtet er auf seine sonstige Flexibilität. Er klagt auf Verletzung des Urheberschutzes, bekommt in gewisser Weise recht. Jedoch ist dann wiederum der Umbau auch rechtens.

Viele Architekten sind auf seiner Seite und wünschen sich für Dresden einen gemeinsamen Konzerthausneubau, in welchem Philharmonie und Staatskapelle den Ruf Dresdens in die Welt tragen können, mit dem ältesten Orchester der Welt.

 

Zum Schluß noch eine kleine Geschichte:

Zum Geburtstag des Vortagenden erhielt dieser ein kleines Paperback – Bändchen von Hermann Hesse „ Mit dem Alter wird man immer jünger“, statt Widmung nur eine Porträtskizze. Der Strich kam mir irgendwie bekannt vor. Ahnungsvoll rief ich Wolfgang Hänsch an, um nachzufragen. Seine Frau am Apparat: „Ja, typisch Wolfgang da hat er sich `mal wieder viel älter dargestellt, als er wirklich aussieht“.

Wolfgang Hänsch, guter Architekt, voller Selbstironie, künstlerisch hoch begabt, noch unentwegt tätig und: mit dem Alter wird er in diesem Sinne immer jünger.

 

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