Claus Weisbach
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Laudatio

Claus Weisbach wird Ehrenmitglied des BDA Landesverband Sachsen _ 9.4.2013


Nachdem Claus Weisbach am 16.Dezember 2012 seinen 80. Geburtstag feiern konnte, ist es mir eine besondere Ehre und Freude, heute als Laudator seine besonderen Leistungen als Architekt, aktiver Bürger der Stadt Plauen und nicht zuletzt natürlich auch als Kollegen zu würdigen und ihn als Ehrenmitglied des BDA Landesverbandes Sachsen vorzuschlagen.
Als Claus 1932 auf die Welt kam zählte Plauen noch ca. 114-115 TEW und stand in seiner vollen Blühte.
Die Industrialisierung bescherte der Stadt in wenigen Jahrzehnten Wohlstand und Reichtum. Das Bild der einstigen Kleinstadt hatte sich zur „vogtländischen Metropole“ mit überregionaler Strahlkraft gewandelt.


Die Textilindustrie und der Maschinenbau zog die Landbevölkerung zur Sicherung des Lebensunterhalts in die Stadt. Das Handwerk, Dienstleistungsunternehmen und natürlich auch die Freien Berufe konnten sich frei entfalten.


Für ein heranwachsendes, neugieriges Kind einer eingesessenen Fabrikantenfamilie mit Sicherheit eine spannende Zeit... wenn da nicht der 2.Weltkrieg viele Träume und Perspektiven zerstört hätte.
1945 schrieb der damals 12-jährige Claus auszugsweise in einem Brief an seinen Vater: „Gestern sind wieder Bomben gefallen. Die Amerikaner haben auch Luftminen abgeworfen. Unser Haus ist schwer beschädigt. Von Onkel Kurt´s Küche an bis Bechlers ist alles weg. Wir hörten es immer mehr brummen und plötzluch knatterete es immer lauter. Wir schmissen uns hin und machten den Mund auf und die Ohren zu. Dann krachte und donnerte es, dass ich dachte, die Welt geht unter.
Gott behüte uns auch weiterhin. Herzliche Grüße Dein Claus“


1948 - auf die Frage nach den Studienmöglichkeiten antwortete sein Lehrer: „Wenn ich mir überlege, was Dein Vater ist, sehe ich schwarz.“


Bereits im Herbst 1948 durchwatete er mit dem Segen seiner Familie den Grenzfluss Saale mit dem Ziel Odenwaldschule Heppenheim. Die erste bewusste Entscheidung eines jungen Freigeistes: geprägt von einem unbeirrbaren Freiheits und Leistungswillen, der ihn sein Leben lang begleitete und ihn auch heute nicht wirklich ruhen lässt. Nach dem Abitur 1952 auf der Odenwaldschule, einer sich anschließenden Zimmermannslehre bei Philip Holzmann schrieb er sich an der TH Stuttgart ein. Finanziert hat er sich das Studium mit seines eigener Hände Arbeit.


Als angehende Architekten gab es die Abmachung mit seinem Freund Peter Conradi, wer zuerst heiratet, zahlt eine Kiste Wein. Claus zahlte. Mit seiner leider viel zu früh gestorbenen ersten Frau Renate startete er in die Freiberuflichkeit. Mit was wohl? Natürlich einem gewonnen Wettbewerb , dem Rathaus Ruin.
Günter Behnisch, im betreffenden Wettbewerb mit einem Ankauf erfolgreich, kommentierte das Ergebnis beim verantwortlichen Bürgermeister: „Die können das, keine Sorge“. 50 Jahre nach Fertigstellung, kämpften Bürger gegen einen geplanten Abriss; u.a. auch aus energetischen Überlegungen. Das fachliche Ergebnis: Das Ruiter Rathaus steht heute unter Denkmalschutz!

So eine nachträgliche Anerkennung für ein architektonisches Erstlingswerk, wie viele oder wie wenige Kollegen können auf so einen Umstand in ihrer Vita verweisen. Ca. 140 Wettbewerbsteilnahmen folgten. Private und Berufliche Erfolge und Tiefschläge prägten das Leben eines gebürtigen Plaueners in der Fremde, dort wo er Jahrzehnte um Anerkennung kämpfen musste. In Schwaben wirklich anzukommen kostet unendlich viel Zeit, danach ist er in vielen Gemeinden als einer der „Ihrigen“ akzeptiert und fühlt sich auch heimisch. 1968 wird er in den BDA berufen und gehört somit heute mit 45 Jahren Mitgliedschaft zu einem der
„treuesten Mitgliedern“ unseres Verbandes.


Typisch „Weisbach“ : 1994, im Alter von 62 Jahren, viele seiner schwäbischen Kollegen denken bereits über Ruhestand in der Toskana nach, erinnert er sich seiner Wurzeln und zieht ein zweites Mal in seinem Leben einen radikalen Entschluss. Er verlagert seinen Lebensmittelpunkt wieder in seine Geburtsstadt Plauen.
Ein schwäbischer Kollege kommentierte diesen Schritt ironisch „Das ist ja Fahnenflucht“. Aber genau das zeichnet diesen ungewöhnlichen Menschen aus: Er schwimmt gern gegen den Strom. Mit seinen Kollegen Hänig und Fromm gewinnt er 1994 den Ideen- und Realisierungswettbewerb Marktplatz in Adorf und kommt somit auch beruflich wieder hier in der Region an.


Claus Weisbach tritt mit seinen Geschwistern das familiäre Erbe an und beginnt mit der Sanierung des Weisbachschen Hauses in der Elsteraue, ein Projekt, welches bis in die Gegenwart die öffentliche Diskussion um eine angemessene Nachnutzung schürt. Die alljährlich stattfindenden Sommerakademie zog neben unzähligen Studierenden auch namhafte künstlerische Leiter in ihren Bann, Günther Behnisch und Christine Kanstinger, die Tochter von Frei Otto, seien stellvertretend erwähnt. Seit der Wende kennen wir Plauener Kollegen Claus nunmehr als unerschütterlichen Fels in der Brandung wenn es um Fragen von Wettbewerb und Baukultur geht. Die Diskussionen zur Stadtgalerie, die Erweiterung der Festhalle, das Spitzeninnovationszentrum und natürlich auch die künftige Rathausfassade sind untrennbar mit dem Namen von Claus Weisbach verbunden. Er ist einer der aufsteht und sich mit seinen präzisen fachlichen Analysen und Statements zu Wort meldet und auf den man auch hört.


Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch seine Tätigkeit für die Architektenkammer Sachsen. Über zwei Legislaturen von 2005-2013 führte er als Vorsitzender unsere Kammergruppe hier in Plauen und ist seit 2001 im Wettbewerbsausschuss in DD aktiv.
Was bleibt noch zu sagen?
Ich hoffe und wünsche mir, dass Du uns noch viele Jahre aktiv erhalten bleibst, dass Du Dich weiterhin einmischst und somit der „gute Geist“ unseres Berufsstandes im Vogtland bleibst.


Ronny Neumann
Freier Architekt BDA

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