Rückblick : Stadtraum Leuschnerplatz – Wie bitte?
Rückblick : Stadtraum Leuschnerplatz – Wie bitte?
Rückblick : Stadtraum Leuschnerplatz – Wie bitte?

12.05.2014

Der Name »Wilhelm-Leuschner-Platz« bezeichnet eine seit gut 70 Jahren ungestaltete Platzfläche im Zentrum der Stadt; einst hieß er »Königsplatz« und war der dominierende Platz eines ganzen Stadtquartiers. Die Gestaltung des Leuschnerplatzes wird seit Jahren in einer breiten Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Dieser Platz soll künftig das Erinnern im öffentlichen Raum an die Ereignisse von 1989/90 und darüber hinaus Handel, Wohnen, Kultur und Bildung sowie Verkehrsinfrastruktur, aber auch Grün und Park, kurzum, eine ganze Palette von Nutzungsoptionen auf sich vereinen. Die Vertreter aller Fachverbände waren sich darin einig, dass es zur Durchsetzung dieser Multifunktionalität des Leuschnerplatzes einer verantwortungsbewussten Zusammenarbeit aller Beteiligten bedarf. Mit einem Wort, es geht gerade im Fall Wilhelm-Leuschner-Platz darum, eine dauerhafte urbane Nachhaltigkeit zu gewährleisten oder, anders ausgedrückt, um wieder, wie Eisinger einmal formulierte, eine Inwertsetzung eines ererbten öffentlichen Ortes.

Ein großer Teil der Diskussion rankte sich um den Bebauungsplan für jenen Teil des Platzes, der bis zu den Bomben der Jahre 1944 und 1945 die Markthalle barg, das Panorama und das berühmte Café Bauer. Dieses Areal umfasst den kompletten Ostteil der Platzfläche bis zur Grünewaldstraße. Die Stadt Leipzig veranstaltete zur Neugestaltung dieses Quartiers bereits einen Workshop, dessen Ergebnis große, blockumfassende Bebauungsstrukturen waren. Ein zufriedenstellendes stadtgestalterisches Ergebnis konnte jedoch nach Meinung der Fachkollegen
noch nicht gefunden werden. Der von der Stadt vorgelegte B-Plan (entsprechend Stadtratsbeschluss vom 18.5.2011) für eine städtebauliche Neuordnung des Leuschner-Platzes lässt noch zu viele Fragen ungeklärt.

In dieser Gemengelage einer unbestimmten Konstellation ist es die Problemdefinition, ihre Formulierung, ihre Abwägung, die wesentlich über die Qualität der Lösung bestimmt. Die richtig gestellten Fragen führen zu dauerhaft belastbaren Antworten. Dabei gilt es auch, einmal routinierte Wege zur Lösungsfindung zu verlassen, um vielleicht immanente Potentiale bei aller Komplexität nicht zu übersehen. Das bedarf, sich auch von Zeit und vermeintlichem Druck frei zu machen. Ganz bewusst an einer erreichten Stelle zu verlangsamen um Denkmodelle
zu überprüfen und anzupassen, Tabus herauszufordern, um grundlegende neue Fragestellungen aufzuwerfen.

Auch diese, dass es für eine dauerhafte Wirkung einer Sensibilität bedarf, auch einer Sensibilität gegenüber all den Akteuren, Netzwerkern und Stakeholdern, die auf diese Entwicklung einwirken. Bis zur öffentlichen Auslegung des Billigungs- und Auslegungsbeschlusses werden die Fachverbände daher gemeinsam Alternativvorschläge zum B-Plan mit der Stadtverwaltung diskutieren. Das bisherige Scheitern des Wettbewerbs um das Freiheits- und Einheitsdenkmal zeigt in aller Deutlichkeit: In einem baulich noch unzureichend geklärten Umfeld ist jeder Denkmalsentwurf zum Scheitern verurteilt. Zumal dann, wenn der Denkmalsentwurf nicht nur das Denkmal zum Gegenstand hat, sondern darüber hinaus bzw. en passant auch noch Fragen der Platzgestaltung lösen soll. Der Wettbewerb krankte von vornherein an seiner diffusen Ausgangslage. Die teilnehmenden Künstler konnten sich letztlich nicht an festgelegten Raumkonstanten orientieren.

Dauerhaft für einen öffentlichen Raum geschaffene Kunst benötigt auch ein inhaltlich und baulich für lange Zeit fixiertes, also dauerhaftes stadträumliches Umfeld. Solange keine letztgültigen stadtplanerischen Entscheidungen getroffen sind, sollte auch über Zwischenlösungen, so etwa über temporäre Kunstaktivitäten, nachgedacht werden.
Am Ende der gut achtstündigen Konferenz wurden einhellig folgende Beschlüsse gefasst:

1. Die Zusammenarbeit der Fachverbände mit dem Stadtrat und der Stadtverwaltung muss verbessert bzw. intensiviert werden. Es wurde allgemein bedauert, dass die Stadtverwaltung die Gelegenheit, auf der Konferenz mit den Fachorganisationen ins Gespräch zu kommen und an stadtplanerischen Lösungen gemeinsam zu arbeiten, nicht in dem Maße, wie es das Thema erfordert, wahrgenommen hat.

2. Es wurde beschlossen, diese Konferenz der Fachverbände fortzusetzen. »Wir werden Position beziehen und Teilhabe und Beteiligung, kurzum, die viel beschworene Partizipation einfordern.« Die entsprechende Vorbereitung und Organisation wurde dem Bund Deutscher Architekten und dem Bund Deutscher Baumeister übertragen.


Ronald R. Wanderer
Bund Deutscher Architekten
Landesverband Sachsen
Telefon 0341/ 3 58 39 12
E-Mail: info@bda-sachsen.de

 

Die Rede des Landesvorsitzenden hier als Download.

 Update  26.01.2015: Die Dokumentation zum Symposium gibt es hier zum herunterladen.

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